Journalismus - Worum es hier geht:

Wer sich Journalist/in nennen will, muss nichts Besonderes können, darf aber verblüffend viel tun. Die Rolle als „Gatekeeper“ an den Schleusen der Informationsgesellschaft hat den Beruf beliebt gemacht, wenn auch nicht unbedingt die, die ihn ausüben. Der Digitale Wandel verflüssigt jetzt die alten Strukturen der Medienbranche: Wird ein ganzer Berufsstand weggeschwemmt?

Xaver und der Sturm der Entrüstung

Social Media Xaver

Social Media Xaver

Nach dem ausgebliebenen Jahrhundert-Orkan müssen sich die Hinterbliebenen jetzt trösten. Zum Beispiel mit einem Sturm der Entrüstung über zu viel Wind beim medialen Hochdruck rund um das Tief „Xaver“. Wenn es gestattet ist, würde ich jetzt, the day after, kurz auch gern mal aufbrausen. Gegenwind.

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Gefühlte Qualität – Kommentarkultur im Kartenhaus

Programmvielfalt. Biennale

Das Netz, es erscheint uns so aufregend wie eine Wundertüte. Und manchmal auch ähnlich enttäuschend. Nehmen wir beispielsweise die Diskussion um das Fernsehen der Zukunft. Es sieht aus wie die Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey und kommt von Internet-Streaming-Diensten wie  Netflix. So ruft es seit Wochen jeder Branchen-Trendscout ins Debatten-All. Ernüchternd dagegen die Reaktion des deutschen Publikums. Auf Sat 1 erreichte das Kartenhaus gestern wieder nur bescheidene Marktanteile (6,5 Prozent bei den 14-49-Jährigen). Die alte Tante Tatort holte wiederum enorme 20 Prozent in der jüngeren Zielgruppe. Aber reden wir nicht über Quoten, reden wir über Qualität – über die Qualität von Diskussionen über Qualität, um genau zu sein.

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Siegen lernen ? Zum Vorbild USA

Fingerzeig vom Vorbild

Fingerzeig vom Vorbild

In meiner kleinen Linkliste auf dieser Seite habe ich auch „120 Sekunden“ von Martin Giesler aufgeführt. Der ZDF-Journalist betreibt einen privaten Blog, in dem er ein paar Bretter über den tiefen Graben zwischen der alten und der neuen Medienwelt verlegt. Besonders anregend fand ich seinen Post zu Entwicklungen in den USA, „die die Grenzen des Journalismus neu verhandeln“.

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Zeitung: Totgesagt und digital reanimiert

Digitaler Durchblick ?  Augmented Weser Kurier

Digitaler Durchblick ? Augmented Weser Kurier

Er war irgendwie immer für mich da, meistens jedenfalls: Seit Jahrzehnten hole ich morgens den Weser Kurier aus dem Briefkasten. Als Leser habe ich mich vor allem übers Regionale informiert, mich geärgert und mich gefreut. Geschrieben habe ich selbst auch für das Blatt. Ab und zu hat der WK früher sogar über mich berichtet, mal hui, mal pfui. Unser Verhältnis ist also traditionell, kritisch und solidarisch.

Jedenfalls kann mich nach all den Jahren meine Zeitung eigentlich nicht mehr überraschen. Oder vielleicht doch? Der Weser Kurier macht seit einigen Wochen in „Augmented Reality“. Sie erweitert die Lektüre des Blattes um Informationen aus einer App. Wer die hat, kann mit seinem Smartphone zu betimmten Artikeln Grafiken, Videos und Töne abrufen. Also lasse ich es auf einen Selbstversuch ankommen.

Es spricht weder etwas für diesen 8. Oktober 2013 noch dagegen. Also dann los.  Neben der Zeitung brauche ich mein kleines Mobile, ein HTC One V (so etwas wie der Damenrevolver unter den Smartphones), die „Weser Kurier Live-App“, ein vernünftiges Internetz sowie einigermaßen Licht. Die morgendlich trübe Beleuchtung der Küche wirkt atmosphärisch schön, scheint technisch aber grenzwertig.

Besonders wichtig ist jedoch körperliches  Geschick. Die Zeitung in die rechte Position rücken, dann das kleine blaue Zeichen neben dem Artikel scannen und aufs Ergebnis warten. Nebenbei Kaffee trinken ginge. Brötchen schmieren dagegen würde die Verbindung von Frühstücksrealität und Informationsvirtualität kappen.

Da ist sie auch schon, die versprochene Grafik: Es handelt sich um eine Karte, auf der Standorte von Radarfallen der Polizei in der Stadt dargestellt sind, als Ergänzung zu einem Bericht über die Aktion zur „Großkontrolle gegen Raser“.

Im Lokalteil wird der Aufmacher zum Semesterstart an der Bremer Uni durch ein Video ergänzt. Tatsächlich, „die Zeitung beginnt zu leben“, wie die Chefredakteurin des Weser Kurier, Silke Hellwig, in einem Interview versprochen hatte. Das Zweiminutenstück ist handwerklich solide gemacht und bringt einem die Lage der Studierenden gefühlsmäßig etwas näher.

Nach dem Umblättern erhalte ich die Möglichkeit, mit dem blauen Link der Augmented Reality direkt im Onlineshop der Zeitung einzuchecken. Dort könnte ich dann für 9 Euro 80 ein Set mit 23 Luftbildaufnahmen der Stadt im Postkartenformat bestellen. Darauf verzichte ich, wiewohl ich zu schätzen weiß, dass sich der Fotojournalist für sein Projekt einem Tragschrauber anvertraut hatte. Einen ganz leichten Hubschrauber also, der aber irgendwie keiner ist und auch keine Drohne.

Ich überfliege die Zeitung weiter und lande auf dem nächsten blauen Symbol erweiterter Zeitungswirklichkeit. Als besondere Empfehlung spricht sich die Kulturredaktion für das Tanztheaterstück „Penguins & Pandas“ aus. Mit dem Smartphone kann ich nun die Veranstaltungsdaten direkt in meinem Terminkalender eintragen. Das ist verblüffend praktisch.

Schließlich spricht noch der frisch gekürte Nobelpreisträge Thomas Südhof zu mir, allerdings in einem leicht rätselhaften und verzerrten O-Ton. Offensichtlich geht es um seine deutsche Staatsbürgerschaft oder Nicht-Staatsbürgerschaft oder so ähnlich. Etwas hilfreicher ist da möglicherweise eine Grafik, die den molekolaren Versikel-Transport erklärt. Allerdings ist sie für mich schwerer zu konsumieren als es vermutlich die gedruckte Fassung der dpa-Grafik gewesen wäre.

So drängt sich beim Projekt Augmented Reality manchmal der Eindruck auf, dass Zusatzinformationen der App solche sind, die man vorher einfach im Blatt weg  gelassen hat. Aber schließlich sind wir noch im Experimentier-Stadium. Nur Versuch macht wirklich klug.

Einige Ideen haben durchaus Potenzial, sind nützlich wie die Terminfunktion oder aufschlussreich wie der Videoclip zur Lage der Erstsemester. Insofern „erweitert“ die Zeitungs-App des Weser Kurier die Wirklichkeit des Lesers durchaus mit Hilfe digitaler Möglichkeiten.

Allerdings lässt sich das englische Wort „augmented“ auch mit „übermäßig“ übersetzen. Ich habe mich, vermutlich altersbedingt, beim Zeitungs-Scannen manmal ungeschickt angestellt. Deshalb weiss ich auch nicht, ob ich den Aufwand der Smartphone-Akrobatik bei jedem Frühstück auf mich nehmen werde. Vielmehr: Ich weiss, dass ich das nicht tun will.

Mein Haupt-Augenmerk gilt dem Informationsgehalt der Zeitung. Die Form hat dem Inhalt zu folgen. Vor allem wäre es schade, wenn vor lauter Technisierung des Journalismus noch weniger Zeit für die Arbeit am Content übrig bliebe. Das ist eine alte Redakteurssorge im digitalen Wandel. Sicher auch die Sorge alternder Redakteure angesichts einer Entwicklung, die nicht mehr umzukehren ist.

Schön ist es jedenfalls, sich mit einem Medienthema auseinandersetzen zu können, das einmal nicht lautet: „Die Zeitung stirbt aus diesem oder jenen Grund“. Sie wandelt sich halt. Papier ist geduldig. Und Abonnenten sind es auch.

 

 

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Think positive – Goldene Zeiten

Die Welt ist mein Feld

Die Welt ist mein Feld

Die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt kommen die goldenen. Wenn uns der Optimismus für das Digitalzeitalter auszugehen droht, dann hiflt immer ein Blick in die USA. Während hierzulande Sorgen vorherrschen, ruft der Wirtschaftsexperte Henry Blodget auf CNN das „Goldene Zeitalter des Journalismus“ aus. Seinen nachgeschobenen Blogpost zu lesen, lohnt sich, weil er den Aphorismus von Kurt Tucholsky bestätigt: „Alles ist richtig, auch das Gegenteil.“

Den Zeitungen mag es schlecht gehen, schreibt Blodget, Chef, des Online-Magazins Business Insider. Krisen seien immer schmerzhaft, aber dem Journalismus sei es nie besser gegangen als heute. Seine Perspektive ist dabei die des freien Unternehmers, der sich nicht an Risiken orientiert, sondern an Chancen. Auch wenn Tucholsky das vermutlich nicht so gut fände, will ich die knackigen Thesen in ein abwägendes „Sowohl als auch“ einbetten, quasi als Übersetzungshilfe aus dem Amerikanischen ins Skeptische.

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Blinde Flecken einer Diskussion

Eine Woche nach Erscheinen der SPIEGEL-Story „2020 – Zeitungssterben“ gibt es gerade medienbranchenintern eine Debatte über die Debatte. Eitel, vorhersehbar und oft lösungsfrei seien viele Beiträge gewesen. Mir dagegen erscheint die bisherige Diskussion zu gehaltvoll, um Zicken-Alarm auszulösen. Könnte ich ja auch gar nicht. Mein Alternativ-Angebot: Als (Zwischen-) Bilanz auf ein paar blinde Flecken aufmerksam machen. Aspekte also, die unterbelichtet werden, vielleicht weil sie so offenkundig sind.

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Wir sind dann mal weg – Zeitungstod

Krisenszenario

Krisenszenario

Dieser Sommer eignet sich wohl ideal für hitzige Mediendebatten. Kaum eine Chance, kühlen Kopf zu bewahren. Jetzt stirbt auch noch die Zeitung. Mal wieder. Die einen wollen die Zeitung wiederbeleben, die anderen tragen sie zu Grabe. Für beide Positionen gibt es berechtigte Argumente. Rechthaberei wird allerdings der Debatte kaum gerecht. Geht es doch um den richtigen Weg in eine Zukunft, die keiner kennen kann. Was außer dem Verleger der Washington Post bislang allerdings kaum jemand zugeben mag. Das ist ein Problem. Nun müssen ganz offensichtlich Internet-Unternehmer  als „Sugar Daddies“ den Journalismus retten. Noch ein Problem.

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Gebeutelte Deuter – Wer sind wir?

Noch Fragen zum Journalismus? Ja!

Noch Fragen zum Journalismus? Ja!

Journalismus zu definieren – das war immer schon der Versuch, einen ziemlich großen Pudding an die Wand zu nageln. Jetzt bröckelt auch noch die Wand weg. Verlage verabschieden sich von publizistischen Produkten, amerikanische  IT-Riesen geben den Takt der Medienbranche an und immer mehr Menschen stellen einfach selbst online Öffentlichkeit her. Das verunsichert die professionellen Kommunikatoren. Aber da müssen wir wohl durch. Ein kleiner Orientierungsmarsch.

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Da staunt der Fachmann

Sowieso total überwacht: Der kleine Prinz

Sowieso total überwacht: Der kleine Prinz

Ich könnte natürlich dem Royal Baby die Schuld geben. Fürs Ablenken. Oder Mutti Angela. Fürs Abwiegeln. Denn trotz massiver Berichterstattung will das Thema Digitaler Datenschutz einfach nicht richtig zünden. Statt mit brennenden Barrikaden zu protestieren, genießen die Menschen das Wetter oder denken sich Namen für Anonymus Windsor aus. Gott und die Welt dafür anzuklagen, nützt nichts. Ich übe Selbstkritik, indem ich an Möglichkeiten und Grenzen von Medien erinnere.

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Lohnen Drohnen?

 

Abgehoben: Little Brother is watching you

Abgehoben: Little Brother is watching you

Wenn die Herren Obama und Putin über den künftigen Wohnsitz eines gewissen Edward Snowden telefonieren, muss für die Welt einiges auf dem Spiel stehen. Aber was nochmal genau? Und wo kommen auf einmal die vielen privaten Daten überhaupt her? Vielleicht schafft ein kleines Beispiel zur medialen Technologiefolgeabschätzung mehr Überblick – reden wir also über Drohnen-Journalismus!

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